Selbständig werden ! - auch für Kleinkinder...
Wir sehen ja hier viele Kinder. Und ich lerne unglaublich viel dabei. Das erste und wichtigste ist - Kinder werden auf ganz verschiedene Weisen groß. Wir haben so oft die Tendenz, sicher zu sein, zu wissen, was gut und richtig ist. So sollte Erziehung aussehen und nicht anders. Besonders gerne schauen wir bei anderen hin und regen uns auf, was die alles falsch machen. Mache ich auch. Tut mir leid. Denn ich habe mittlerweile nicht nur einmal das Erlebnis gehabt, dass ich dachte „So kann das aber ganz und gar nichts werden!“ Aber es wurde und es wurde gut. So habe ich mir eine deutlich abwartendere Haltung angewöhnt, habe gelernt, Eltern und Kinder machen zu lassen, hinzuschauen und zu lernen. Etwas fällt mir aber immer wieder auf, wo ich mir Veränderung wünsche ...
Wir lassen unseren Kindern wenig Selbständigkeit. Wenn sie nach etwas greifen, geben wir es ihnen. Wir denken gar nicht darüber nach, was für ein Erfolgserlebnis es ist, das alleine zu schaffen. Wenn sie hinfallen, trösten wir sie, bevor sie auch nur Zeit hatten darüber nachzudenken, ob irgend etwas weh tut. Wir warten einfach nicht, bis sie fragen. Einerseits ist das ja sehr schön, wer möchte schon immer um jedes bißchen Trost bitten. Aber andererseits verhindert das auch Entwicklung. Kann ich das schon alleine ? Werde ich mit etwas Kummer alleine fertig ? Diese Fragen können sich Kinder dann nicht mehr beantworten und im schlimmsten Fall sind sie der Meinung, komplett unfähig zu sein, da ja die Erwachsenen sie für so unselbständig halten, dass sie ständig eingreifen müssen. Manchmal kann ein Kind ganz Erstaunliches allein regeln oder auch ein „Fremder“ kann helfen, ein anderes Kind, ein Nachbar, der Kinderbetreuer. Und es ist ein gutes Erleben, zu merken, dass auch andere mir helfen können, nicht nur die Eltern.
Dem gegenüber steht ein Abfragen von Wünschen. Ein Kleinkind kann noch nicht jetzt und später unterscheiden, da es noch nicht chronologisch denkt, sondern gefühlsbezogen. Es kann eine Erzählung über ein Ereignis, dass 3 Monate her ist so klar sein, als wäre das eben gerade passiert. Und da ist es einfach nicht gut, zu viele Entscheidungen dem Kind zu überlassen. Die Frage „Willst du lieber Käse oder Marmelade auf dem Brot ?“ kann zu viel sein. Denn wenn das Kleinkind jetzt und später noch nicht unterscheiden kann, so wird es unter Umständen sagen „Käse!“, um dann einen Moment später ein Affentheater zu machen, weil es „Das da“ auf dem Brot nicht will und es auch gar nicht die Verbindung zu der Entscheidung sieht, die es gerade getroffen hat. Oft kommt dann „Aber ich habe Dich doch gefragt !“ Das hilft dann gar nichts, denn das setzt das Kind nur unter Druck, und im Zweifelsfall entscheidet es sich dann eben „dagegen“ – um keinen Fehler zu machen. Also werden immer weniger Dinge probiert, lieber die altbewährte Lösung – Nudeln ohne was – genommen. Manche Dinge sollten einfach wir entscheiden, bis das Kind groß genug ist zu sagen – „Das will ich nicht.“
Versuchen wir es doch gemeinsam, etwas Zeit zu lassen, etwas Freiraum, etwas weniger Entscheidungsfragen für die ganz Kleinen...












