Wir sind ein Vielgenerationenhaus

Wer sollten unsere Gäste sein?

1999 waren wir tief in der Planung unseres Hauses versunken. Wer sollten unsere Gäste sein? Und für uns ganz selbstverständlich planten wir Familienzimmer, Doppelzimmer, Einzelzimmer, barrierefreie Zimmer, Allergikerzimmer und stellten uns ein buntes Gemisch von Menschen vor, die zu uns zu Besuch kommen würden.

Dann begann 2003 die „Waldzeit“, unsere Kinderbetreuung. Und auf einmal waren wir ein Haus, das nur noch als Familienhaus gesehen wurde. Anfangs fiel uns das gar nicht so auf. Bis eines Tages an einem schönen Frühlingstag 8 Kinder im Hause waren - 8 entzückende Kinder, die an dem Morgen wirklich nur nett plauderten und ansonsten auch keinen Blödsinn verzapften – und sich ein Pärchen beschwerte, dass es hier ja wie in der Jugendherberge wäre, mit all diesen Kindern. Ich war beleidigt - wenn unsere Gesellschaft nicht mal mehr das Plaudern von Kindern aushält, dann wollte ich diese Gesellschaft so nicht.
 
Wir haben dazugelernt. Ab diesem Zeitpunkt warnten wir Erwachsene ohne Kinder, dass es bei uns Kinder als Gäste geben könnte. Daraus erwuchs nun die umgekehrte Erfahrung. „Warum erwähnen Sie das so betont – wir haben nichts gegen Kinder.“ was mich jedesmal wieder freut. Und mittlerweile kommen auch Erwachsene ohne Kinder wegen der Kinder. Denn wo können Sie in Ruhe Kinder kennenlernen, wenn Sie selbst keine haben und auch nicht Großeltern sind – lauern in Schwimmbad oder Eisdiele empfiehlt sich nicht so

In der geschützten Atmosphäre unseres Vielgenerationenhauses ergeben sich immer wieder neue Kombinationen – Leo ißt lieber bei den Nachbarn mit am Tisch, die hören so schön zu, während seine Eltern mal die Ruhe genießen. Und der alleinstehende Mann vom Nebenraum spielt gerne Fußball mit der Jungsbande.

Dann kam einer meiner absoluten Lieblingsgäste – ein 85jähriger Mann, der anfragte, ob er zum Kochkurs kommen könnte und wir da auch 85jährige nehmen würden. Begeistert sagten wir zu und genauso begeisternd war dann er. Er hat mir viel beigebracht über das Älterwerden. Ich konnte Fragen loswerden, die ich meinen zu früh verstorbenen Großeltern nicht stellen konnte. Ich habe den Kontakt rundum genossen. Mittlerweile sind viele ältere Menschen zu Gast gewesenen und ich darf diese Erfahrung wiederholen. 
Wir freuen uns ob dieser Entwicklung, hat sich doch unsere Gesellschaft zu sehr auseinander bewegt. Doch alle Menschen haben in unterschiedlichen Lebenszyklen neue Erkenntnisse, die wir miteinander teilen können. Dafür möchten wir gerne ein Platz sein.