Wölfe im Wendland, Niedersachsens wildem Osten





Von Wölfen & Wolfswanderungen Kenny Kenner
Für 150 Jahre galten die Wölfe in Deutschland als ausgestorben, besser ausgerottet, aber ganz weg waren sie in der Vergangenheit nicht. Es gab gelegentlich wandernde Jungwölfe, die aus dem Osten Europas zu uns fanden. Während meiner Kindheit im Wendland, in den 50er und 60er Jahren, brachten diese Weitwanderer immer wieder etwas Aufregung und einen Hauch von Wildnis in den beschaulichen Alltag im Zonenrandgebiet. Alle erlitten das gleiche Schicksal, sie wurden totgeschossen bevor sie einen Partner finden konnten. Der eigentliche Zweck ihrer langen Wanderungen, ein neues Territorium zu besetzen und ein Rudel zu gründen erfüllte sich nicht.
Mit der Perfektionierung der Grenzanlagen an der innerdeutschen Grenze gelang nicht nur immer weniger Menschen die Flucht aus der DDR, auch die wandernden Wölfe blieben ganz weg, sie konnten diese Sperre nicht mehr überwinden. In der damaligen DDR gab es die einwandernden Wölfe weiter und sie wurden auch weiterhin alle abgeschossen. Für jeden toten vierbeinigen Immigranten aus Polen gab es zwei Ostmark Abschußprämie. Die Naturschutzgesetze griffen im wilden Osten erst zwei Jahre nach der Wiedervereinigung – allein im Mai 1991 wurden noch vier Wolfsrüden niedergestreckt. Die Gefahr, bei einem irrtümlichen Treffer den Jagdschein zu verlieren, hat dazu geführt, daß keine Wolfsabschüsse mehr gemeldet wurden.
Durch den beginnenden Schutz der Wölfe in Polen konnte sich der Bestand in Ost- und Westpolen erholen und mit der Wiedervereinigung 1990 wurde der Wolf auch in Ostdeutschland unter Schutz gestellt. Damit waren die Voraussetzungen für eine natürliche Wiederbesiedlung in Deutschland geschaffen.
Im Jahr 2000 gelang es einem aus Polen zugewanderten Wolfspaar in der Oberlausitz in Sachsen, auf einem aktiven Truppenübungsplatz, erstmals seit ca. 150 Jahren wieder Welpen in Deutschland aufzuziehen. Mittlerweile leben mehrere Wolfsrudel in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt und ziehen jedes Jahr erfolgreich Nachwuchs auf. Darüber hinaus durchstreifen einige Einzelwölfe Deutschland und es gibt inzwischen Wolfsnachweise in 8 Bundesländern.
Das Wendland ist schon seit einigen Jahren Wolfserwartungsgebiet und hin und wieder zog auch mal ein Wolf hier durch. Für einen dieser Durchzügler endete der Besuch im Wendland tragisch, er wurde während einer Gesellschaftsjagd von mehren Jäger zusammen geschossen und schließlich nach qualvollem Leiden getötet. Der getötete Wolf hatte wahrscheinlich vorher im Sommer/Herbst 2007 auch mehrfach seine Spuren in der Göhrde hinterlassen. Bei zwei Gelegenheiten stieß ich auf solche eventuellen Wolfsspuren. Ich war seit 2005 mehrfach in der Lausitz, hatte einiges an Wolfsfährten gesehen, war mir aber nicht sicher in der Beurteilung der Hinweise. Dieser Vorfall führte bei mir dann zum Entschluß mehr und intensiver über Wölfe und deren Verhalten zu erfahren, um sie besser schützen zu können und ich begann die Schulung zum Wolfsbetreuer. Die Schulung wurde vom Wildbiologischne Büro Lupus im Wolfsgebiet der Lausitz durchgeführt. Im Rahmen des Wolfskonzepts für Niedersachsen wurden 2009 vom Umweltministerium 40 Wolfsberater benannt. Ich bin einer dieser Wolfsberater, mit den Schwerpunkten Monitoring und Öffentlichkeitsarbeit.
Jetzt mehren sich wieder die Hinweise auf die Anwesenheit eines Wolfs in unserer Region und es gibt auch zwei Nachweise aus dem Jahr 2011. Eine junge Wölfin (Zora), die im Frühjahr in Sachsen-Anhalt besendert wurde, zog im Juni durch die Göhrde und durch unser Bachtal. Nach mehreren Sichtungen eines Wolfs im November, gelang Ende November dann ein Fotonachweis von einem Wolf bei Dannenberg. Anfang Februar wurde ein Wolf im südlichen Wendland fotografiert.
Im Rahmen unseres Hotels biete ich geführte Touren und Wanderungen zum Thema Wolf an. Dabei geht es um die Annäherung an eine interessante Tierart und Vermittlung von Wissen über deren Verhalten, Lebensraum und die möglichen Konflikte zwischen Mensch und Wolf.
Und wer weiß, wenn sich in nächster Zeit Wölfe entschließen dauerhaft ein Territorium in unserer Region zu besetzen, lassen sich während der Touren auch Spuren und Hinweise finden.
Kenny Kenner (Wolfsberater)
Hier heult die Neustädter Wölfin (Lausitz) >> hier












