Ach - die Elbe

Vor einiger Zeit gab es hier in Hitzacker eine Lesung mit Axel Kahrs zum Thema Elbe. Wie gewohnt war es wunderbar, denn Axel Kahrs hat eine so wunderbare Art, einen mitzunehmen in die Welt seiner Literatur, liebevoll, ironisch, leicht und spannend, es ist eine Wonne ihm zuzuhören, und immer komme ich aus diesen Lesungen mit mindestens einem neuen Denkanstoß. Diesmal war es die Elbe und wofür sie steht. Er sagte, dass es wenig Literatur zur Elbe gibt und die Elbe ja auch gemeinhin als unspektakulär empfunden wird – vor allem verglichen mit dem Rhein, dem literarischen und romantischen unter den Flüssen, die Deutschland durchqueren. Das hat mich bewegt, ich war fast empört – ist doch die Elbe für mich Begleiterin einer sehr langen Zeit.

Ich erinnere mich an einen Nachmittag vor bestimmt schon 10 Jahren, als Kenny und ich an die Elbe gegangen waren, was wir eigentlich selten taten, da wir diese Trauer nicht aushalten konnten. Wir setzen uns, blickten auf die Elbe und auf einmal schauten wir uns an – der Chemikaliengeruch war weg. Ich habe geweint vor Freude. Und wie habe ich mich gefreut, als sie langsam wieder immer sauberer wurde.

Als ich endlich mit meinen Füßen ihren Sandstrand entlanglaufen konnte, barfuß und halb im Wasser, halb im Sand. Vorletztes Jahr habe ich das erste Mal gebadet in der Elbe. Und mich gefühlt, als würde ich in den Armen einer Urmutter gewiegt. Das ist das Gefühl, das mir die Elbe gibt, mütterlich. Ich sitze am Strand, schaue auf die sanften Wellen und lasse mich und meine Gedanken treiben. Ich nähre mich an ihrer Ruhe und komme dem Sein so nahe wie an wenigen Plätzen, die ich kenne.

Und das ist es auch, was die Nähe dieses riesigen ruhigen und behäbigen Flusses für mich tut, sie bringt Ruhe in unsere Landschaft, in unser Gefühl, in unser Leben. Seit ewigen Zeiten ist sie einfach da, diese Elbe, aufgrund der politischen Gegebenheiten nicht eingemauert, nicht ausgebaggert, sie ist der ursprünglichste Fluss in der Mitte Europas, den wir vorzuweisen haben, denn die langen Jahre der Grenzstreitigkeiten zwischen den beiden deutschen Staaten haben anderes nicht zugelassen.

Ich wünsche mir, dass es so bleibt, dass wir sie einfach lassen, diese wunderbare Elbe, dass wir dieses Gefühl, ein kleines Wesen im Angesicht einer wunderbaren Natur, in der wir geborgen sind, weiterhin an den Ufern der Elbe spüren können. Besuchen Sie sie, schreiben Sie über sie – vielleicht gibt es dann irgendwann doch einiges mehr an Literatur über die Elbe – geniessen Sie sie.

Text: "Ach die liebe Elbe"

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